Wie oft gab es weiße Weihnachten in Ostwestfalen-Lippe?

Historische Wetterdaten für Ostwestfalen-Lippe

Über Weihnachten gibt es viele falsche Mythen und Gerüchte, wie z. B. das falsche Gerücht, dass Coca-Cola den Weihnachtsmann erfunden haben soll. So kommt auch immer wieder die Behauptung zu Weihnachten, dass es doch früher viel öfter „weiße Weihnachten“ gegeben hätte als heutzutage. Als nächstes wird manchmal dann behauptet, dass es früher öfter kälter war bzw. heute viel milder wäre, vielleicht auch aufgrund des in den Medien so intensiv in den Vordergrund gestellten Klimawandels bzw. der Klimaveränderung. Daher habe ich mir einmal die Mühe gemacht und habe mir die historischen Wetterdaten für mehr als 80 Jahre für Ostwestfalen-Lippe etwas näher angeschaut, um einmal selbst auf Basis von konkreten Wetterdaten nachzuvollziehen, wie oft es denn nun wirklich bei uns in Ostwestfalen-Lippe bzw. Detmold-Brokhausen “weiße Weihnachten” gab.

Für Ostwestfalen-Lippe werden seit 1936 Tageshöchst- und -tiefsttemperaturen sowie Schneehöhen an verschiedenen Wetterstationen, wie z. B. in Bad Salzuflen, Lage, Lemgo, Bad Lippspringe, Horn-Bad Meinberg, Bad-Pyrmont, Rinteln, Bad Oeynhausen, etc. … gemeldet bzw. sind unterschiedlich seit 1938 zugänglich. Es gibt sicherlich noch weitere Quellen, aber für meine Analyse hier, habe ich mich auf diese öffentlich zugänglichen Daten beschränkt. Seit 2013 liegen mir zudem Daten aus unserer Wetterstation aus Detmold-Brokhausen vor.

In der folgenden Tabelle habe ich die historischen Wetterdaten einiger Messstationen für Ostwestfalen-Lippe so zusammengefasst, dass sie besonders für Detmold-Brokhausen (ca. 140 Meter über Normalnull) am aussagekräftigsten sind. In der folgenden Tabelle sehen Sie somit die Tageshöchsttemperaturen [Tx in Grad Celsius], Tagestiefsttemperaturen [Tn in Grad Celsius] und gemeldete Schneehöhe [Sh in cm] für 7 Uhr Ortszeit (CET) jeweils am 1. Weihnachtsfeiertag (25. Dezember) für Ostwestfalen-Lippe (Detmold-Brokhausen):

Historische Wetterdaten: Wann gab es weiße Weihnachten in Ostwestfalen-Lippe?
Historische Wetterdaten: Wann gab es weiße Weihnachten in Ostwestfalen-Lippe?

Sie können die historischen Wetterdaten hier als Excel-Version einsehen und herunterladen.

In den vergangenen 84 Jahren gab es in Ostwestfalen-Lippe in nur 22 Fällen (gelb markierte Jahreszahlen) eine geschlossene Schneedecke von 1 cm oder mehr (in der Tabelle werden 21 gezeigt, aber es gab 1938 noch eine geschlossene Schneedecke von 10 cm bei einer Tageshöchsttemperatur von -3°C und einer Tagestiefsttemperatur von -11°C). Ergo gab es pauschal gesagt nur in ca. 20% bis 24% der letzten 84 Jahren am 1. Weihnachtsfeiertag Schnee in Ostwestfalen-Lippe. Es zeigt sich somit nachweislich, dass “weiße Weihnachten” auch in Ostwestfalen-Lippe bzw. Detmold-Brokhausen eher die Ausnahmen sind. Auch in Städten in Süddeutschland, wie z. B. München, gibt es übrigens im Schnitt ungefähr nur alle 3 Jahre weiße Weihnachten. In Köln ist es sogar noch sehr viel seltener der Fall. Die roten Jahreszahlen in der Tabelle bedeuten übrigens, dass es an allen Weihnachtstagen eine Schneedecke gab.

Aus der oben aufgeführten Tabelle kann aber noch einiges mehr abgelesen werden, wenn man sich z. B. auch ganz Deutschland an den markierten Stellen näher ansieht. Zuletzt war es bei uns 2010 verbreitet weiß und richtig winterlich kalt. Ab 2011 gab es fast überall keinen Schnee mehr und es war in der Regel eher sehr mild, was es in dieser Folge ungefähr seit 1950 nicht mehr gab. Der Dezember 2010 war übrigens einer der kältesten seit Wetteraufzeichnungsbeginn, dass Sie in der Tabelle als den extremen Ausnahmewert auch gut ablesen können im Vergleich zu allen Werten seit 1938 (nur 1961 kommt nahe dran). Interessanterweise waren die Jahre 2011 bis 2019 einschließlich (bisher) sehr milde Weihnachten und auch diese Abfolge/Reihenfolge von milden Weihnachten ist doch wiederum in dieser Länge eher untypisch.

Aus der Tabelle lassen sich eben sich diese sehr wechselhaften Temperaturen bzw. diese großen Spannweiten zwischen der Tageshöchst- und Tagestiefsttemperatur sehr gut ablesen. Hier gibt es zwischen den Jahren erhebliche Spannbreiten. Besonders fallen hier die Jahre 1960 bis 1964 auf, wo es in der Folge vier Mal weiße Weihnachten gab, welche zudem auch sehr kalt waren. Eine ähnliche Serie hat es seit 1950 nicht mehr gegeben und sie dürfte daher eine Ausnahme sein, aber einige werden sich besonders an diese Serie erinnern und eventuell daher behaupten, dass es früher doch viel kälter und weißer als heute zu Weihnachten war. 1964 speziell ist übrigens eines der sehr wenigen Jahre, wo in ganz Deutschland eine geschlossene Schneedecke gemeldet wurde.

Kalte (aber nicht zwingend weiße) Weihnachten waren dann besonders in Jahren 1938, 1940, 1944, 1961-64, 1970, 1976, 1986, 1995/96 und dann erst 14 Jahre später nur noch in dem Jahr 2010. 1986 war wie 1981 übrigens auch eines der sehr seltenen weißen Weihnachten in ganz Deutschland, welches es zuvor nur 1964 sowie davor nur im Jahr 1940 und 1938 gab. Kinder die nach 2010 geboren wurden, haben also noch nie am 25. Dezember in Ostwestfalen-Lippe echte “weiße Weihnachten” erleben können.

Zum Abschluss meiner Betrachtung möchte ich noch darauf hinweisen, dass auch wenn es erwiesen ist, dass der anthropogene Klimawandel existiert und auch wenn es auffällig ist, dass es in den letzten 20 Jahren augenscheinlich mild in Folge war und trotzdem zu Extremwintern wie in 2010 (kältester Dezember seit Wetterdaten aufgezeichnet werden) kam, dass es durch Einzelbetrachtungen von einzelnen Tagen, wie in meiner Auswertung hier geschehen ist, es nicht möglich ist Rückschlüsse auf einen Klimawandel zu ziehen.

Update: Schneehöhe, Tageshöchst- und -tiefsttemperaturen wurden für den 25.12.2019 ergänzt

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